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Wenn man auf den schönsten Inseln der Karibik leben möchte, muss man sich damit abfinden, dass gelegentlich ein Hurrikan die Ordnung ein wenig auf den Kopf stellt.

Tropische Wirbelstürme sind viel kleiner als man allgemein denkt. Nicht so winzig wie Tornados, deren maximale Kraft auf einen Rüssel von wenigen Metern konzentriert ist, aber auch nicht so gigantisch groß, wie die Medien es gerne darstellen. Ein ordentlicher Hurrikan entfaltet seine zerstörerische Kraft um das Zentrum des Sturms herum, dass meist nur 30 Kilometer im Durchmesser ist. Natürlich ist das gesamte Wettersystem erheblich größer, erstreckt sich über hunderte von Kilometern. Satellitenaufnahmen zeigen gerne einen gigantischen Wolkenwirbel, der ganze Nationen aufzufressen scheint. Aber das Bild täuscht: Außerhalb des Kerns herrscht lediglich unangenehmes ‚Schiet‘-Wetter, wie man in Norddeutschland sagen würde, aber keinesfalls Katastrophenstimmung.

Ein Sturm wird ‚tropisch‘ genannt, wenn er sich um ein Zentrum, einen Kern, dreht. Die Systeme entwickeln sich meist zwischen Juni und November an Afrikas Westküste und machen sich dann auf den Weg in die Karibik. Um die Stärke eines Hurrikans zu bemessen, gibt es die Saffir-Simpson Hurrikan Wind Tabelle.

Ein Sturm darf sich erst ab 120 km/h ‚Hurrikan‘ nennen. Das ist Kategorie 1 – und halb so schlimm. Ungesicherte Gartenmöbel fliegen in den Swimmingpool. Die Markisen sollte man einrollen und offene Fenster wären auch ein Fehler. Aber ansonsten wird außer abgebrochenen Ästen nicht viel passieren.

Kategorie 2 beginnt mit einer Windgeschwindigkeit von 155 km/h. Das rüttelt schon ganz ordentlich, wird schwache Bäume umlegen und Gärten in große Unordnung bringen. Aber die Gebäude der karibischen Region sind darauf ausgelegt, auch diese Winde ohne großen Schaden zu überstehen. Ein paar Tage Aufräumarbeiten werden anfallen, auch um die Straßen von Müll zu befreien.

Kritisch wird es bei Kategorie 3, beginnend bei knapp 180 km/h. Die ersten Dächer verabschieden sich, Bäume fallen und nun quälen sich auch die vor Anker liegenden Yachten. Einige werden sinken. Strom wird ausfallen, aber wahrscheinlich nicht für einen längeren Zeitraum.

210 km/h – Kategorie 4! Jetzt wird es richtig bedrohlich und katastrophale Zerstörungen setzen ein. Yachten sinken, Dächer fliegen davon, ja, sogar Wände und Mauern stürzen ein. Die Infrastruktur wird so beschädigt werden, dass Strom- und Wasserversorgung für Wochen ausfallen.

Kategorie 5 ist der finale Hammer, es beginnt mit einer lauen Brise von über 250 km/h und ist offen nach oben. 400 km/h sind möglich in Böen. Häuser stürzen zusammen, 90 % der Yachten sinken, die Infrastruktur wird auf Monate nicht mehr genutzt werden können. Überleben nach einem solchen Sturm ist nur möglich, wenn internationaler Katastrophenschutz Lebensmittel und weitere Güter zeitnah liefert.

Die großen Stürme zu erleben, ist eine demütigende Erfahrung. Ich habe alle Kategorien hinter mir, sowohl auf Booten als auch in Gebäuden. Kategorie 4 und 5 möchte ich nicht mehr erleben, aber ich werde die Details meiner Erfahrung in einem weiteren Post beschreiben.